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Ein Kakao Bauer isst zum ersten mal in seinem Leben Schokolade

Die Elfenbeinbeinküste, ein Staat in Westafrika, zwischen Ghana und Liberia gelegen und eine ehemalige französische Kolonie, gilt als eines der ärmsten Länder der Welt. Jedoch produziert dieses Land einen wichtigen Rohstoff für unsere westlichen Genüsse. Eine kleine Bohne, von der die, die sie ernten, gar nicht wissen wofür sie eigentlich verwendet wird. 1,6 Millionen Tonnen werden pro Jahr produziert und geerntet, ein Milliardengeschäft. Die Rede ist von der Kakaobohne, ohne deren Anbau und Ernte keine Schokolade bei uns auf den Tisch käme. Die Elfenbeinküste ist der größte Kakaobohnen-Exporteur weltweit. Angesichts dieser Zahlen müsste man annehmen, dass die Bauern und Arbeiter gut davon leben können, doch weit gefehlt. Sie sind arm, die Ärmsten der Armen und können sich nur das Notwendigste leisten. Die Familien leben in kleinen Lehmhütten, Schule und Bildung werden klein geschrieben, denn jedes Familienmitglied muss zum Lebensunterhalt beitragen.

Frankly, ein Journalist, besucht Alfonse, einen der Kakao-Bauern, der mit seiner Familie und vier Arbeitern eine Plantage bewirtschaftet. Interessiert lässt sich Frankly von Alfonse zeigen, wie die Kakao-Bohnen in der Sonne auf einem provisorisch zusammengezimmerten Holzgestell in der Sonne trocknen. Alfonse berichtet, dass die Ernte diese Mal schlecht war und der Preis pro Kilo nicht gestiegen ist, jedoch die anderen Preise für Lebensmittel sehr wohl ständig ansteigen.

„Ich versuche meinen Lebensunterhalt und den meiner Familie zu verdienen, es ist jedoch hart geworden“, erzählt er.
„Weißt du was mich interessiert?“, er schaut Frankly fragend an. „Was macht ihr eigentlich aus den Kakao-Bohnen? Wozu verwendet ihr diese getrockneten Bohnen, die nicht schmecken?“
Alfons hat keine Ahnung wozu er sich so abmüht und warum diese Bohnen gekauft werden. Er hat, wie alle Bauern hier, keine Informationen über unsere Konsumgesellschaft und zu welchen Produkten die Rohstoffe verarbeitet werden. Diesen Umständen verdanken sie es auch, dass sie zu ‚Bettlern‘ gemacht werden und wir, im Verhältnis dazu, zu reichen Konsumenten.

Alfonse streicht nachdenklich über seine Bohnen: „Ich habe gehört, dass ein Nahrungsmittel daraus gemacht wird. Ich weiß nicht, ob das wahr ist“, fragend sieht er Frankly an.
„Alfons“, erwidert dieser „ich habe eine Überraschung für dich!“
Er zieht eine Tafel Schokolade aus seiner Tasche.
„Das wird aus deinen Kakao-Bohnen gemacht“, mit diesen Worten überreicht er ihm die Schokolade.
Ungläubig beäugt Alfons die Packung.
„Koste“, fordert ihn Frankly auf.
Vorsichtig nimmt Alfons ein ganz kleines Stück.
„Sei nicht so bescheiden, nimm ein großes Stück“, ermuntert ihn Frankly.
Alfons kostet zum ersten Mal in seinem Leben das Produkt, dass bei uns millionenfach verkauft wird und das seinen Ursprung hier nimmt, hier bei diesen ärmlichen Lehmhütten.

Ein Kakao Bauer isst zum ersten mal in seinem Leben Schokolade

Ein Kakao Bauer isst zum ersten mal in seinem Leben Schokolade

„Oh, das ist gut!“ Alfons grinst über beide Ohren. „Ich habe nicht gewusst, dass Kakao so lecker ist!“
Seit seiner Kindheit hat er sie geerntet, doch noch nie ein Stück des fertigen Produktes in Händen gehalten. Er liefert die Bohnen an einen Händler, der ihm nie erzählt hat, wozu dieser Rohstoff dient.

Er schüttelt den Kopf: „Es ist wirklich das erste Mal, dass ich es esse.“
Alfons ist total begeistert und will die Schokolade seiner Familie und seinen Arbeitern zeigen. Mit einem alten Moped fahren sie zu ein paar Lehmhütten. Die Frauen kochen davor am offenen Feuer karge Mahlzeiten. Als die Männer Alfons kommen sehen, versammeln sie sich in einem Kreis.
„Ich will euch etwas erzählen“, beginnt Alfons feierlich. „Mein Gast hier“, er deutet auf Frankly „hat ein wundervolles Geschenk mitgebracht.“ Er nimmt die Tafel Schokolade zur Hand. „Das wird aus unseren geernteten Kakaobohnen gemacht. Schaut es an, fühlt es und gebt es weiter, sodass es jeder anschauen kann.“
Fragende Blicke begleiten die Tafel Schokolade, die jeder genauestens anschaut und befühlt. Einer der Männer bemerkt, dass es sich hart anfühlt.
„Du musst es auspacken und die Quadrate einzeln abbrechen“, erklärt Alfons geflissentlich den Männern. Er hat den Vorteil, dass er schon weiß worum es sich handelt.
Einer der Männer kostet ein Stück ganz vorsichtig. Sein Gesicht erhellt sich bei der Kostprobe.
„Mmmhhhhhhhhhh, es ist süß!“ strahlt er und man sieht seine weißen Zähne blinken.
Alle kosten reihum und freuen sich darüber.
„Das ist der Grund, warum die Weißen alle so gesund sind, das machen sie aus unseren Bohnen. Was ist das, wie heißt das?“
Alfons gibt sich gebildet und antwortet: „Das ist Schokolade!“

Da Schokolade in der Elfenbeinküste kaum verfügbar und wenn, dann sehr teuer ist, kennt sie kaum jemand. Eine Tafel Schokolade kostet ca. zwei Euro. Alfons verdient am Tag sieben Euro. Mit diesem Geld bestreitet er den Lebensunterhalt seiner fünfzehnköpfigen Familie und bezahlt seine vier Arbeiter.

Alfons ist gut gelaunt und es geht weiter zu den Arbeitern auf die Plantage, auch denen will Alfons die Schokolade zeigen und kosten lassen. Die Arbeiter ernten die großen Schoten der Kakaopflanze. Die Schoten werden mit Stöcken aufgeschlagen und die darin befindlichen Bohnen herausgenommen. Frankly wird gezeigt, wie sie das Tag für Tag machen.
„Dann legen wir die Bohnen zusammen und bedecken sie fünf Tage mit Bananenblättern. Das beschleunigt den Fermentierungsprozess“, erklären sie. „Es ist für uns eine besondere Frucht, von der wir leben.“
Auf Nachfrage, wofür diese Bohnen verwendet werden, antworten auch sie, dass sie keine Ahnung haben, was mit den von ihnen geernteten Bohnen passiert, wozu sie sich dieser Mühe unterziehen und sie das ganze Jahr lang ernten.
Alfons hat eine Überraschung für die Arbeiter und berichtet ihnen, dass Schokolade daraus produziert wird. Er greift in seine Hosentasche und holt die Tafel Schokolade hervor und reicht sie ihnen.
„Es ist eine tolle Sache. Die Weißen sind süchtig danach und essen viel davon. Sie nennen es Schokolade. Und die wird aus den Kakaobohnen gemacht.“
Mit einem ungläubigen Gesichtsausdruck fragt ein Arbeiter nach: „Das wird wirklich aus unseren Bohnen gemacht? Und weiße Menschen mögen das?“ Er betrachtet die Tafel Schokolade noch immer sehr ungläubig.
Die anderen Arbeiter werden ungeduldig und wollen die Schokolade auch in die Hand nehmen, aber er wehrt sie mit den Worten: „Ich bin hier der Älteste, ich muss es zuerst ansehen, ob es in Ordnung ist.“ Er kann es noch immer nicht glauben und fragt erneut bei Frankly nach:
„Sie sind wirklich zu hundert Prozent sicher, dass das aus Kakaobohnen gemacht wird?“
Sie diskutieren lautstark.

„Unser Gast sagt, dass es so ist!“, erwidert Alfons.
„Mann, lass uns kosten“, jeder der Arbeiter nimmt ein Stück und kostet die ihnen unbekannte Schokolade.
„Unsere Eltern haben uns gesagt, dass ihr die Bohnen zum machen verwendet. Wir haben immer gedacht, dass ein sehr bedeutender aus Kakao gemacht wird.“
Sie diskutieren über Wein und Schokolade.

„Es ist süß“, bemerkt einer der Arbeiter. „Aber ihr backt doch die Bohnen in einer Pfanne. Oder was macht ihr sonst damit?“
Frankly erklärt ihnen, dass die Bohnen in großen Fabriken zuerst geröstet und dann gemahlen werden. Es wird Kakaopulver und Kakaobutter daraus gemacht, mit Zucker und Milch vermischt um dann zu Schokolade verarbeitet zu werden.
Ungläubig, aber sehr interessiert lauschen sie seinen Erklärungen. Immer wieder wird dazwischengefragt, ob das wirklich aus den Bohnen gemacht wird. Unglaublich, sie können es nicht fassen. Es wird gewitzelt und einer bemerkt, dass die Haut von Frankly ein wenig heller ist, als die der anderen. „Das liegt sicher an der Schokolade, dass das so ist!“ Lachend kosten sie alle ein Stück der Schokolade.

Alle sind sich einig, dass die Arbeit auf der Plantage sehr hart ist, doch jetzt kosten sie das Ergebnis. „Es ist ein Privileg für uns, dass wir das können“, meinen sie einhellig.
„Ich werde das Papier aufheben, damit ich es meinen Kindern zeigen kann“, sagt einer der Arbeiter. Alfons hat noch eine Tafel Schokolade und teilt sie aus.
Glücklich und lachend essen sie auch diese auf. Sie alle lieben diesen Geschmack.